Verband deutscher kleinhundezüchter e.V.

im VDH / FCI
 gegründet 1948

Papillon & phalÈne

Züchterliste Papillon & Phalenè

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Herkunft

Die korrekte, vollständige Rassebezeichnung lautet Kontinentaler Zwergspaniel, innerhalb dieser unterscheidet man zwei Varietäten:


Papillon (Stehohriger Typ)
Phalène (Hängeohriger Typ)


papillon

"Papillon" ist das französische Wort für "Schmetterling" (daher auch der Name Schmetterlings- hündchen), womit auch schon ein wesentliches Merkmal der Rasse beschrieben ist: Die sehr großen, seitlich vom Kopf abstehenden Ohren erinnern an die ausgebreiteten Flügel des Schmetterlings, dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn die erwünschte weiße Blesse vorhanden ist, die das Gesicht symmetrisch in zwei Hälften teilt.

"Phalène" ist das französische Wort für "Nachtfalter", dessen Flügel wie das Phalèneohr nach unten zeigen.

Allgemein wird der Ursprung der Zwergspaniels in Europa vermutet, obwohl nicht ganz ausgeschlossen werden kann, daß seine Vorfahren - wie so viele Zwerghunde - aus Ostasien stammen. Es wäre durchaus möglich, daß anläßlich der Entdeckungsreisen des Marco Polo Ende des 13. Jh. asiatische Hundezwerge ihren Weg nach Europa gefunden haben, die den Grundstein für die Entwicklung der Zwergspaniels gebildet haben könnten. Tatsache ist, daß erste Belege für die Existenz von kleinen Luxushündchen, die im Typ sehr genau unserem papillonheutigen Phalène entsprechen, erstmals auf italienischen Fresken und Ölbildern ab dem 13. bis 14. Jh. zu finden sind. Zumeist sind diese Hündchen zusammen mit Kindern oder Personen des Adels abgebildet. Es liegt nahe zu vermuten, daß aus den zur Jagd verwendeten Spaniels irgendwann eine Zwergform entstanden ist, die dann den hochherrschaftlichen Damen und ihren Kindern als Spielgefährten und Zeitvertreib überlassen wurden. Ein gewisser Jagdtrieb ist auch heute noch bei Papillons und Phalènes eindeutig festzustellen.

Besonders in Gemälden von Tizian (16. Jh.) findet man immer wiederkehrend Hunde, die sich eindeutig als Phalènes einordnen lassen. Aufgrund des papillonimmer gleichen Typs stellt sich die Frage, ob seinerzeit diese Form als "Rasse" gezielt gezüchtet wurde, oder ob es sich schlicht um einen dem Maler eigenen oder bekannten Hund handelte, der auf dessen Bildern aus rein dekorativen Zwecken immer wieder auftaucht.

Ab Mitte des 16. Jh. finden sich Phalèneähnliche Hunde auch auf Bildern von französischen Künstlern. Die Verbreitung nach Frankreich (und andere europäische Länder) ist leicht durch damals übliche Einheiratungen in die verschiedensten Herrscherhäuser zu erklären: Die Damen nahmen ihre kleinen Freunde einfach mit. Auch ist bekannt, daß kleine Hunde immer gerne als Gastgeschenke Verwendung fanden, denn sie waren teuer und rar.

Obwohl die Verbreitung von Italien aus erfolgte, ist es doch eher Frankreich zu verdanken, daß sich die Rasse bis heute erhalten hat. Am französischen Hof haben sich Zwerghunde dieses Typs über mehrere Jahrhunderte großer Beliebtheit erfreut, ohne daß sich das äußere wesentlich veränderte. Auch am englischen Hof wurden Zwergspaniels gehalten, was durch entsprechende Bilder belegt ist, doch in England schien man den größeren Kopf mit phalènedem kürzeren, breiten Fang zu bevorzugen, und so haben sich im 18. Jh. die Typen endgültig in die Richtungen Englischer Toy Spaniel und Kontinentaler Zwergspaniel auseinanderentwickelt.

Die stehohrige Varietät muß sich irgendwann gegen Ende des 17. Jh. herausgebildet haben, denn erst ab ca 1700 findet man "Papillons" auf Gemälden.

Eine ganz besondere Form der "Überlieferung" eines Kontinentalen Zwergspaniels ist uns im Naturhistorischen Museum Wien erhalten. Dort ist auf einem roten Seidenkissen in einem Glaskasten das um 1740 - 1750 präparierte Hündchen der Kaiserin Maria Theresia noch heute zu bewundern!

Nach der französischen Revolution und demzufolge dem Niedergang des französischen Adels wird es lange Zeit still um die Zwergspaniels, und erst zum Ende des 19. Jh. finden sich wieder Liebhaber in Frankreich und Belgien, die sich engagiert darum bemühen, diese Rasse wieder auferstehen zu lassen. Aus diesem Grund gilt auch heute nach den FCI-papillonStandardfestlegungen der franco-belgische Raum als Ursprungsland der Kontinentalen Zwergspaniels.

Erst gegen Ende des 19. Jh. beginnt bei Hunden das Zeitalter der "Reinzucht", d.h., es werden bei bemühten Züchtern immer nur Hunde derselben Rasse miteinander verpaart. Um dies zu gewährleisten entstehenden Rassehundeverbände, man arbeitet mit Abstammungsnachweisen, es werden Ausstellungen veranstaltet und es werden für die einzelnen Rassen genaue Vorgaben entworfen, wie ein Hund dieser Rasse auszusehen hat, welche Eigenarten für ihn typisch sind usw. Die erste Rassebeschreibung (Standard) für Kontinentale Zwergspaniels wird um 1905 niedergelegt.

Charakter und Eigenschaften

Kontinentale Zwergspaniels sind sehr familienbezogene, lebhafte Zwerghunde. Immer bereit zu Spielen, Toben und Schmusen, aber dennoch einfühlsam und mit einem feinen Gespür dafür, wenn der Besitzer etwas Ruhe haben möchte. Unstimmigkeiten innerhalb "seiner" Familie bemerkt er sofort und er leidet sichtlich darunter. Die Welt ist erst wieder für ihn in Ordnung, wenn alles wieder harmonisch ist und seinen gewohnten Gang geht. Wie alle Hunde, die eng in der Familie leben, kennt er deren Tagesrhythmus genau und stellt sich darauf ein. Er mag es, wenn man viel mit ihm spricht, papillondas gibt ihm die Sicherheit, beachtet zu werden. Wer berufstätig oder regelmäßig mehrere Stunden täglich außer Haus ist, sollte sich keinen Zwergspaniel anschaffen. Die Rasse ist zu sensibel, aber auch zu intelligent, als daß sie es erträgt, über größere Zeiträume nicht beschäftigt zu werden. Vor allem jüngere Hunde müßten in solchen Fällen zumindest einen Spielkameraden ( selbe oder andere Zwerghunderasse, eventuell auch eine Katze) erhalten, damit sie nicht unglücklich sind. Erst beim älteren Zwergspaniel läßt dieser Betätigungsdrang etwas nach, und die Tiere verschlafen dann die Zeit, in der sie alleine sind, um dann nach Rückkehr des Besitzers umso aktiver zu sein.

Er ist gerne etwas eitel und genießt es sehr, wenn er von jedermann bewundert wird, aber er möchte sich keinesfalls von jedem anfassen lassen! Das sollte man berücksichtigen und ihn vor allzuviel Zudringlichkeit schützen, denn sein hübsches Aussehen verleitet dazu, daß ihn jeder gerne streicheln möchte.

Er liebt lange Spaziergänge zu jeder Jahreszeit, und die Reste seines kleinen Spaniel-Instinktes lassen ihn gerne dieses oder jenes aufstöbern und verfolgen. Stöcken- oder Bällchenfangen und apportieren sind willkommene Einlagen während eines Spazierganges. Auch wenn er an sich mit normalem Gassigehen "um den Block" auskommt, sollte er regelmäßig längere Ausflüge zugestanden bekommen, bei denen er sich - frei von der Leine - richtig austoben kann. Er ist sehr verträglich mit anderen Hunden und keinesfalls zimperlich, so daß er bei vernünftiger Haltung schnell Freundschaften schließt.

Wie wir aus amerikanischen Berichten wissen, eignet sich der Zwergspaniel vorzüglich für den Hundesport. Die Tiere sind mit Eifer und Begeisterung bei der Arbeit, und bewältigen phalènemühelos ohne besonderes Zutun des Besitzers die Anforderungen und Prüfungen. Voraussetzung dafür ist nur ein inniges Verhältnis und das Verständnis für die natürlichen Veranlagungen des Hundes, die dann nur noch in die gewünschten Richtungen gelenkt werden müssen. Leider bieten sich in Deutschland nicht allzuviele Möglichkeiten für Hundesport bei Kleinhunden, erst in letzter Zeit finden sich vermehrt Plätze, auf denen entsprechende Programme angeboten werden.

Der Zwergspaniel ist von Natur aus sehr aufmerksam und meldet sich sofort, wenn er ungewohnte Geräusche oder Personen wahrnimmt. Hier bedarf es manchmal einiger Konsequenz (schon vom Welpenalter an), damit er nicht zum Kläffer wird.

Mit größeren Kindern versteht er sich sehr gut. Voraussetzung ist, daß er nicht als lebendiges Spielzeug angesehen wird, und daß er sich jederzeit zurückziehen kann, wenn ihm danach ist. Klein(st)kinder empfindet er eher als nervig, und da diese selbst viel Beachtung benötigen, reagiert er häufig mit ungezügelter Eifersucht.

Die Pflege ist trotz des langen Haarkleides erstaunlich unaufwendig. Weil keine Unterwolle ausgebildet wird, neigt er nicht zum Verfilzen, so phalènedaß kurzes tägliches Bürsten genügt. Nur bei dem sehr feinen Haar der Ohrfransen können sich leicht Knoten bilden, daher benötigen sie besondere Sorgfalt. Hosen und Rute werden ebenfalls regelmäßig mit einem mittelfeinen Kamm durchgekämmt, und schon sieht der Papillon/Phalène immer adrett und gepflegt aus. Schmutz meidet er meist von sich aus, was in zudem noch pflegeleichter macht.

In gesundheitlicher Hinsicht ist der Kontinentale Zwergspaniel äußerst robust, von lebensbedrohenden Erbkrankheiten scheint die Rasse bislang verschont zu sein. Wie bei fast allen Kleinhunden ist jedoch eine Veranlagung zu Kniescheibenluxationen vorhanden, die inzwischen von den meisten Vereinen züchterisch angegangen wird. Am konsequentesten hat diesbezüglich die Schweiz durchgegriffen, bei denen Untersuchungen vor einer Zuchtzulassung schon seit Jahren Pflicht sind. Die Zuchterfolge sprechen eindeutig für dieses Vorgehen.

Herzbeschwerden können im Alter auftreten, aber einerseits sind sie häufig durch falsche Haltung und Ernährung bedingt, andererseits treten sie meist erst in einem Alter auf, das andere (größere) Rassen längst nicht mehr erleben.

Die Lebenserwartung liegt realistisch bei etwa 12 Jahren, viele werden bis zu 15 Jahre alt, in seltenen Ausnahmefällen mehr.

Wer sich einen Zwergspaniel anschaffen möchte, sollte nur bei einem wirklich guten Züchter kaufen, dessen Hunde voll in Haus und Familie integriert sind. Weil sie so sensibel sind, sind Fehler und Vernachlässigung durch den Züchter in der Aufzuchtsphase besonders fatal und eigentlich nicht mehr reparabel. Zwergspaniels, die nicht mit der notwendigen Zuwendung aufgewachsen sind, sind fast nicht mehr in der Lage, das Versäumte aufzuholen und sie bleiben häufig ihr Leben lang scheu und zurückhaltend, selbst gegenüber dem eigenen Besitzer.

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